Wir waren viele Jahre Teil des Kollektivs, das das Rübezahl Festival organisiert hat. In dieser Zeit haben wir gemeinsam Räume geschaffen, Musik gefeiert und politische Verantwortung übernommen. Doch in den letzten Jahren wurde zunehmend deutlich, dass zentrale politische Fragen innerhalb des Kollektivs nicht mehr gemeinsam getragen werden konnten. Dies hat dieses Jahr schließlich zur Auflösung des Kollektivs geführt. Wir halten es für notwendig, dies öffentlich zu machen – weil politische Verantwortung Transparenz braucht.
Einige von uns sind gegangen, andere wurden faktisch aus dem Orga-Kreis gedrängt. Die Gründe dafür sind strukturell und politisch – und nicht einfach persönliche Unstimmigkeiten. Was passiert ist, ist kein freundliches Auseinandergehen, sondern ein politischer Ausschluss.
Über Jahre hinweg haben Menschen aus dem Kollektiv Awareness-Strukturen aufgebaut, versucht, Gewaltprävention zu etablieren und Räume für kollektive Verantwortung zu schaffen. Statt Anerkennung stießen diese Versuche zunehmend auf Widerstand: Schon das Verschicken einer Mail zum Aufbau der Awarenessstruktur musste intern diskutiert werden. Es wurde über eine zu große Präsenz von Awareness auf dem Festival geklagt und das Konzept eines Saferspaces abgelehnt. Nach der Auflösung wurde öffentlich mit Awareness geworben – während genau die Personen, die sich für diese Arbeit die letzten Jahre eingesetzt hatten, ausgeschlossen oder verdrängt wurden. Das ist nicht nur politisch widersprüchlich, sondern wirkt wie Pinkwashing.
Auch beim Thema Booking gab es tiefgreifende Differenzen. Der Versuch, konkrete Schritte für ein diverses Line-Up festzulegen, wurde wiederholt abgewehrt – mit dem Verweis, man wolle nach Bauchgefühl buchen. Diversität als politisches Ziel wurde damit nicht ernst genommen, sondern entpolitisiert.
FLINTA-Personen die sich klar feministisch und politisch positioniert haben, sind heute nicht mehr Teil der Orga. Kritik wurde nicht als Beitrag zum kollektiven Prozess verstanden, sondern als Störung abgetan. Inhaltliche Auseinandersetzungen wurden häufig personalisiert, um sich den politischen Inhalten nicht stellen zu müssen.
Der Wunsch in Zukunft weiter kollektiv zu Arbeiten wurde nicht geteilt, da der Prozess als zu aufwendig empfunden wurde, stattdessen wurden hierarchische Entscheidungsprozesse bevorzugt.
Wir veröffentlichen dieses Statement nicht leichtfertig. Wir glauben an kollektive Organisation, an politische Kultur und an die Notwendigkeit, strukturelle Konflikte sichtbar zu machen. Wir wollen die Auflösung des Kollektivs nicht unkommentiert lassen, wenn politische Ausschlüsse unter dem Deckmantel von weiter wie bisher normalisiert werden.
Wir stehen weiterhin für Räume ein, in denen Diskriminierung nicht reproduziert, sondern benannt und bearbeitet wird. Wo Menschen mit Macht sensibel umgehen und feministische Perspektiven kein Beiwerk, sondern Grundlage sind.
Wir gehen nicht leise – wir gehen politisch.
— ehemals Teil des Rübezahl-Kollektivs